Jetzt ging er langsamer, nicht aus Ruhe, sondern aus Erschöpfung.
Das Handy lag halb unter einer Bank. Schwarzes Display, gesprungene Schutzfolie, ein kleiner Aufkleber auf der Hülle. Nichts Besonderes. Und doch blieb Birdie stehen.
Er hätte weitergehen können.
Das wäre nicht böse gewesen.
Ein Mensch kann nicht jedes verlorene Ding der Welt aufheben.
Aber dieses lag vor ihm.
Also hob er es auf.
Auf dem Display erschien ein gesperrter Bildschirm. Kein Hinweis, kein Name, nur ein Foto von einem Himmel, der sehr blau gewesen sein musste, als ihn jemand aufgenommen hatte.
Birdie sah sich um.
Auf der anderen Straßenseite stand niemand.
Ein Stück weiter vorn schob eine Frau ein Fahrrad. Ein Mann telefonierte. Zwei Jugendliche lachten. Ein Bus fuhr an und zog nasse Luft hinter sich her.
Dann sah Birdie einen Mann, der immer wieder an seine Jackentasche griff.
Der Mann war schon fast an der Kreuzung.
Birdie rief.
Der Mann hörte ihn nicht.
Birdie lief los.
Er rief noch einmal.
Diesmal drehte der Mann sich um.
„Ich glaube, das gehört Ihnen“, sagte Birdie und hielt das Handy hoch.
Der Mann sah zuerst auf das Gerät, dann auf Birdie. In seinem Gesicht geschah etwas, das Birdie nicht erwartet hatte. Nicht nur Erleichterung. Etwas Weicheres. Als hätte jemand ihm einen kleinen Teil seiner Welt zurückgegeben.
„Das ist das Handy meiner Tochter“, sagte der Mann.
Birdie wusste nicht, was er darauf sagen sollte.
„Dann ist gut, dass es nicht weg ist.“
Der Mann nickte. „Wem darf ich danken?“
„Birdie.“
Man nannte ihn Birdie. Niemand wusste mehr, warum, und seinen richtigen Namen kannte niemand. Der Fremde fragte nicht danach. Er wiederholte den Namen, als wolle er ihn behalten. Dann sagte er:
„Danke.“
Birdie winkte ab.
„Kein Problem.“
Es war ein kleiner Moment.
Ein fremdes Handy.
Ein kurzer Lauf.
Ein Danke.
Dann ging jeder weiter.
So sahen viele Dinge aus, bevor man wusste, dass sie bleiben würden.